Manchmal sieht eine Pflanze schlimmer aus, als sie ist. Genau das ist mir diesen Winter mit meiner Calamondin passiert, sie ist im Winterstress.
Die Blätter wurden matt und ledrig, einige Früchte weich – und trotzdem fiel lange weder ein Blatt noch eine Frucht ab. Erst mit etwas Verzögerung verabschiedeten sich ein paar vertrocknete Blätter.
Gerade im Winter ist es bei Zitrusbäumen gar nicht so leicht zu erkennen, was wirklich ein Problem ist – und was einfach nur nach Stress aussieht.
Was passiert da eigentlich?
Im Winter kommen bei Calamondin mehrere Dinge zusammen:
- wenig Licht
- konstante, eher kühle Temperaturen
- Früchte, die weiter versorgt werden wollen
- und in meinem Fall Pflanzgranulat
Die Pflanze hat Wasser, kann es aber zeitweise nicht optimal nutzen. Das zeigt sich dann nicht durch trockene Blätter oder Blattabfall, sondern durch schlaffes Hängen, durch matte, feste Blätter. Die Früchte bleiben klein, sind sehr sauer und werden weich – sie sehen „nicht mehr gut“ aus, sind es aber nicht automatisch.
Gute Nachricht: Die Früchte sind essbar
Man kann die Früchte trotzdem probieren:
Sie sind innen sehr saftig, intensiv sauer, kein gäriger oder unangenehmer Geruch. Nur die Schale war auffallend weich. Genau das ist kein Zeichen von Verderb, sondern von Winterreife unter Stressbedingungen.
Statt die Früchte weiter hängen zu lassen (sie kosten die Pflanze unnötig Kraft), habe ich sie geerntet – und verarbeitet.
Calamondin-Marmelade aus den Früchten
Gerade bei weichen Früchten ist Marmelade ideal. Die Schale gehört hier ausdrücklich dazu: Sie bringt Aroma und eine feine herbe Note.
Zutaten
- 200 g Calamondin (ungespritzt, mit Schale, ohne Kerne)
- 100 g Gelierzucker 2:1
- 100 ml Wasser
Zubereitung
- Früchte heiß abwaschen, Enden abschneiden, Kerne entfernen.
- Früchte grob schneiden und mit dem Wasser 10–15 Minuten leise köcheln.
Die Schale wird dadurch weicher. - Die Masse fein pürieren (oder halb pürieren, wenn Stückchen gewünscht sind).
- Gelierzucker einrühren und 4 Minuten sprudelnd kochen.
- Gelierprobe machen und heiß in Gläser füllen.
Tipp:
Ein kleiner Spritzer Orangensaft oder ein Teelöffel Honig rundet die Säure ab, ohne den typischen Calamondin-Geschmack zu verlieren.
Pflege-Tipps & Learnings: Was mir meine Calamondin im Winter gezeigt hat
Dieser Winter war vor allem eines: lehrreich. Nicht alles, was nach Trockenstress aussieht, ist echte Trockenheit – und nicht jede weiche Frucht ist ein Verlust.
Meine wichtigsten Erkenntnisse
1. Winterstress zeigt sich oft verzögert
Die Pflanze sah lange gleich aus, ohne sich sichtbar zu verbessern oder zu verschlechtern. Die wenigen Blätter, die später abfielen, waren innerlich längst „abgeschrieben“. Das war kein neuer Schaden, sondern eher ein Aufräumen.
2. Mineralisches Substrat braucht andere Signale
Mit Pflanzgranulat lässt sich Feuchtigkeit nicht über die Oberfläche beurteilen. Entscheidend sind:
- das Gewicht des Topfes
- ob unten noch Restwasser vorhanden ist
- Geduld
Zu frühes Nachgießen hätte hier mehr geschadet als genutzt.
3. Früchte sind Energieräuber im Winter
So schön sie aussehen: Viele Früchte kosten Kraft, besonders bei wenig Licht. Das Ernten und Verarbeiten war nicht nur sinnvoll, sondern notwendig, um die Pflanze zu entlasten.
4. Licht ist im Winter der Gamechanger
Zusätzliches Pflanzenlicht hat keine sofortige Wunderwirkung, bringt aber Stabilität. Kein massiver Blattabwurf, kein kompletter Fruchtfall – und damit die Basis für Erholung.
Was man jetzt konkret tun sollte
- Früchte reduzieren:
Nur wenige kräftige Früchte hängen lassen, kleine und weiche lieber ernten und nutzen. - Sehr zurückhaltend gießen:
Erst gießen, wenn das Reservoir wirklich leer ist. Im Winter lieber minimal zu trocken als zu nass, möglichst in kleinen Mengen von oben. - Licht konstant halten:
10–12 Stunden Pflanzenlampe täglich, keine häufigen Standortwechsel. - Nicht jetzt umtopfen:
Auch wenn das Substrat alt ist – umtopfen erst im Frühjahr, wenn neues Wachstum startet.
Fazit
Winterstress bei Zitruspflanzen fühlt sich erst einmal nach Problem an. Für mich war es dieses Jahr eher eine Einladung, genauer hinzuschauen – und kreativ zu werden. Die Pflanze wird entlastet, die Früchte sinnvoll genutzt, und am Ende steht ein Glas intensiv-aromatische Calamondin-Marmelade im Regal.
Manchmal ist Gartenarbeit eben auch: loslassen, ernten, einkochen – und auf den Frühling warten.



