Die Tage werden kürzer, die Nächte kühler und auf meinem Balkon beginnt wieder die Übernachtungssaison. Eine Kohlmeise hat den Nistkasten als Schlafplatz entdeckt. Nach zahlreichen Besichtigungen und einer etwas ungewöhnlichen ersten Nacht scheint der kleine gefiederte Gast nun wieder Gefallen an seinem Winterquartier zu finden.
Ein Schlafplatz für kalte Nächte
Während Nistkästen im Frühjahr vor allem als Brutplätze dienen, können sie im Herbst und Winter eine ganz andere Funktion übernehmen: Sie bieten kleinen Vögeln einen geschützten Schlafplatz.
Auch auf meinem Balkon beginnt jetzt wieder diese Zeit. Schon im vergangenen Winter hatte eine Kohlmeise regelmäßig im Nistkasten übernachtet. Abends verschwand sie im Kasten, plusterte sich auf und verbrachte dort die Nacht. Im Frühjahr wurde der Kasten noch gelegentlich besucht, aber eine Brut gab es in diesem Jahr nicht. Über den Sommer blieb es weitgehend ruhig.
Erst einmal alles gründlich inspizieren
Seit einigen Wochen interessieren sich die Kohlmeisen wieder verstärkt für den Nistkasten. Immer wieder schaut eine hinein, untersucht den Boden, blickt aus dem Einflugloch oder hüpft im Inneren herum. Manchmal finden sogar regelrechte Flug- und Hüpfübungen statt. Offenbar gibt es auch in einem kleinen Nistkasten einiges zu erkunden.
An einem besonders regnerischen Tag blieb eine Kohlmeise sogar rund zehn Minuten im Kasten und betrieb ganz entspannt Gefiederpflege. Bei dem nasskalten Wetter war der trockene Unterschlupf vermutlich gar keine schlechte Wahl.
Die erste Nacht war noch etwas unruhig
Mitte Oktober gab es schließlich die erste Übernachtung der Saison. Die Kohlmeise hatte es sich im Kasten gemütlich gemacht und schlief zunächst ganz ruhig. Nach etwa zwei Stunden wurde sie allerdings unruhig. Sie putzte sich, wechselte mehrfach die Position und schaute immer wieder zum Einflugloch hinaus. Gegen 22:30 Uhr verließ sie den Kasten schließlich.
Warum sie mitten in der Nacht aufbrach, bleibt unklar. In den folgenden Tagen wurde der Nistkasten weiterhin regelmäßig besucht, aber zunächst nicht wieder zum Übernachten genutzt.
Endlich wieder eine schlafende Federkugel
Am Abend des 24. Oktober war es dann so weit: Gegen 18:18 Uhr saß wieder eine kleine aufgeplusterte Kohlmeise im Nistkasten. Diesmal blieb sie tatsächlich die ganze Nacht. Auch am nächsten Morgen, dem 25. Oktober, schlief sie um kurz nach sechs noch immer friedlich im Kasten.
Ob es sich um dieselbe Kohlmeise wie im vergangenen Winter handelt, lässt sich natürlich nicht sagen. Aber der Anblick der kleinen Federkugel in der Kamera ist wieder genauso schön.
Warum Meisen im Nistkasten schlafen
Kohlmeisen sind auch im Winter bei uns unterwegs. Nachts benötigen sie einen möglichst geschützten Platz, an dem sie vor Wind, Niederschlag und einem Teil der Kälte geschützt sind. Ein Nistkasten kann dafür gut geeignet sein. Er bietet einen abgeschirmten Raum, in dem sich der Vogel aufplustern und seine Körperwärme besser bewahren kann.
Dabei muss ein Nistkasten nicht mit einem Nest ausgepolstert sein. Auch ein leerer, sauberer Kasten kann als Schlafquartier dienen. Gerade in kalten Winternächten kann ein solcher Unterschlupf für kleine Vögel hilfreich sein, da sie aufgrund ihrer geringen Körpergröße vergleichsweise viel Wärme verlieren.
Ob die Kohlmeise nun wieder regelmäßig einzieht, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Noch stehen wir ganz am Anfang der Übernachtungssaison. Ich freue mich jedenfalls darauf, abends wieder einen Blick auf die Kamera zu werfen und zu entdecken, dass sich ein kleiner gefiederter Gast für die Nacht eingerichtet hat.
Nistkasten selbst bauen oder kaufen
Wer handwerklich geschickt ist, kann einen Nistkasten auch selbst bauen und dabei Größe, Holzstärke und Aufbau individuell anpassen. Wichtig ist dabei vor allem ein wetterfestes Holz, ausreichend Wandstärke und ein passendes Einflugloch für Kohlmeisen oder Blaumeisen. Der NABU stellt dafür ausführliche und artgerechte Bauanleitungen zur Verfügung, die sich gut für Kohlmeisen und Blaumeisen eignen.
Wer keinen eigenen Nistkasten bauen möchte, findet auch fertige Modelle, die sich gut als Schlafplatz im Winter eignen. Ein einfacher Nistkasten aus Holz (Amazon)* bietet Schutz vor Wind und Nässe und lässt sich auch am Balkon anbringen.
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